PV und Biodiversität

The positive effect of PV on biodiversity is undenyable

Freiflächen-Solarparks fördern die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt

Es ist ein heißer Frühsommertag in Carlino, Italien. Es duftet nach Wildblumen, die Vögel zwitschern, die Insekten summen und das alles inmitten eines Solarparks. Seit über 10 Jahren befindet sich in dem kleinen Ort in Norditalien ein dreigeteilter PV-Park mit einer Fläche von insgesamt knapp 92 Hektar und einer Gesamtleistung von rund 22 MWp. Die Anlage produziert nicht nur seit knapp zehn Jahren grünen Strom. Gleichzeitig ist sie das Zuhause verschiedener Singvogelarten geworden, die dort ungestört leben und Jahr für Jahr in Ruhe ihren Nachwuchs aufziehen können. Was hier beobachtet werden kann ist ein Effekt, der an Bedeutung gewinnen wird: Denn der Lebensraum für Flora und Fauna wird unter anderem durch die landwirtschaftliche und industrielle Nutzung freier Flächen zunehmend zerstört und der Erhalt der Artenvielfalt wird immer wichtiger.

Positiver Effekt von PV auf die biologische Vielfalt

Als biologische Vielfalt, auch Biodiversität genannt, wird die Vielfalt der Tier-, Pilz- und Pflanzenwelt auf der Erde bezeichnet. Insbesondere durch das hohe Maß an Ressourcenverbrauch der stetig wachsenden Weltbevölkerung, den Landnutzungswandel, die zunehmende Umweltverschmutzung, den Klimawandel sowie invasive Tier- und Pflanzenarten ist die Biodiversität bedroht. Der Verlust der Biodiversität hat sowohl naturwissenschaftliche, als auch gesellschaftliche und politische Konsequenzen.

Mit Blick auf die Energiewende stellt sich heute vermehrt die Frage nach der optimalen Nutzung freier Flächen. Eine Studie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft hat sich näher mit den Synergieeffekten zwischen der Nutzung freier Flächen für Solarparks und dem Erhalt der dortigen Tier- und Pflanzenwelt beschäftigt . Ergebnis ist tatsächlich ein Zugewinn an Biodiversität. Laut der Studie kann das Einbeziehen von Biodiversitätskonzepten bei der Planung von Photovoltaik-Anlagen eine gelungene Maßnahme gegen den Rückgang von Insektenpopulationen, bedrohten Tier- und Pflanzenarten sowie Bodenerosion darstellen.

Photovoltaik-Freiflächenanlagen sind eine Option, die gleich mehrere Vorteile bietet: Insbesondere, wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen, handelt es sich bei Solarstrom um eine günstige und umweltfreundliche Methode, die mehr und mehr gefördert werden sollte. Gleichzeitig bieten die genutzten Flächen, auf denen die Solaranlagen gebaut werden, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, die dort vor äußeren Einflüssen geschützt werden: Eine Win-Win-Situation.

Flächennutzung für Photovoltaik statt Landwirtschaft

Die extensive Grünlandnutzung, die typisch für Solar-Freiflächenanlagen ist, spielt für die Biodiversität eine entscheidende Rolle: Im Gegensatz zur landwirtschaftlichen Nutzung, die circa 50 Prozent der freien Flächen in Deutschland ausmacht, kommt es bei Photovoltaik nicht auf die Homogenität der Fläche, beispielsweise durch den Anbau von Monokulturen, an. Stattdessen können hier Pflanzen wachsen, die in der professionellen Landwirtschaft keine Chance haben und im schlimmsten Fall sogar vom Aussterben bedroht sind. Auch Pflanzenschutzmittel und Dünger werden in den Parks in der Regel nicht eingesetzt.

Der positive Effekt von Photovoltaik-Anlagen auf die Biodiversität ist vor allem abhängig von der Vornutzung des Geländes sowie der Bauweise der Anlage. Es entstehen kurz- bis mittelfristig Lebensräume, die bestens für Pflanzen- und Tierarten geeignet sind, die vielfach aus der Agrarlandschaft verschwunden sind. Eine besonders hilfreiche Maßnahme: Der Reihenabstand sollte beim Bau neuer Anlagen in Hinblick auf die Förderung von biologischer Vielfalt beachtet und nicht zu eng geplant werden. Eine dauerhaft extensive Nutzung beziehungsweise die Pflege des Grünlandes zwischen den einzelnen Modulreihen stellen einen wesentlichen Faktor für die artenreiche Besiedlung von Solarparks mit Arten aus unterschiedlichen Tiergruppen dar.

Damit unterscheiden sich diese Flächen laut der Studie deutlich von intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen oder solchen, die Flächen zur Energiegewinnung aus Biomasse nutzen. Auch hier kann die Natur Abhilfe schaffen: Im 2008 erbauten Solarpark in Alange in Spanien tummeln sich unter anderem Schafe und Wildschweine zwischen den Modulreihen der 8.490 kW Anlage, weil sie hier ausreichend Nahrung finden.

Die Vorteile der Nutzung von freien Flächen für Photovoltaik im Überblick:

  • Förderung der Biodiversität: die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten kann erhalten und ggf. sogar vergrößert werden
  • Schaffung von extensivem Dauergrünland: die Begrünung schafft kurz- und mittelfristig Lebensraum für Pflanzen und Tiere
  • Entstehung von Humus: die Fruchtbarkeit des Bodens wird gesteigert und damit CO2 aus der Luft gebunden

Foto: iStock/inaquim

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